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Wolfgang Dünkel
12.04.2014 Veranstaltungsrückblick 106 0

Spendenübergabe des VDE Kassel an die Ahnatalschule in Vellmar

- Geräte für den naturwissenschaftlichen Physik- und Chemieunterricht der Gesamtschule -

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Peter Abel (Stadt Vellmar), OStD Wolfgang Hartwig, Schülerinnen und Schüler der Ahnatalschule, Dr. Bernhard Ernst (VDE Kassel), Ralf Franke (Lkr. Kassel), Helmut Lotz (VDE Kassel), alle von links

| Wolfgang Dünkel

Die diesjährige Spende des gemeinnützigen VDE-Bezirksvereins Kassel e.V. ging an die Ahnatalschule in Vellmar. Für Schülerversuche im Physik- und Chemieunterricht wurden vom Stellv. Vorsitzenden Dr. Bernhard Ernst und dem Obmann Schulen Dipl.-Ing. Helmut Lotz Geräte im Wert von 3.400 € an die Leitung der Schule, Herrn Oberstudiendirektor Wolfgang Hartwig, übergeben. Frau Sabine Weber für das Fach Chemie und Herr Christian Göttlicher (Physik) ließen diese im Beisein der Vertreter des Landkreises Kassel als Schulträger, Herrn Fachbereichsleiter Ralf Franke und einen seiner Mitarbeiter, sowie des Ersten Stadtrats Herrn Peter Abel als Repräsentant der Stadt Vellmar durch ihre Schülerinnen und Schüler vorführen und erklären.

In kurzen Ansprachen hoben unser Obmann Schulen Helmut Lotz und unser Stellv. Vorsitzender Dr. Bernhard Ernst den Grund unserer jährlichen Spenden wie der Interessensweckung für Ingenieurberufe bei den Schülerinnen und Schülern, des Anteils der Schulspenden am jährlichen Budget unseres Vereins und die mittlerweile in zwölf Jahren erreichte Spendensumme von rund 40.000 € hervor.

Den Dank der Schule sprach OStD Hartwig aus. Ihm schlossen sich in weiteren Dankesworten Herr Franke für den Kreisausschuss des Lkr. Kassel und Herr Abel für den Magistrat der Stadt Vellmar an. Und dann ging es an die Präsentation der übergebenen Geräte durch die künftigen Nutznießer, die Schülerinnen und Schüler der integrierten Gesamtschule "Ahnatalschule".

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Die neue Vakuumpumpe für Fallversuche im luftleeren Raum erfreut die jungen Damen beim experimentellen Physikunterricht: Vogelfeder und Stahlkugel fielen gleich schnell.

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Die auffallend hohe Zahl der bei der Übergabe anwesenden und auch präsentierenden Schülerinnen versetzte uns als Elektroingenieure doch sehr in Erstaunen: Denn bei unseren langjährig durchgeführten Tagen der Technik konnten wir eine durchschnittliche Beteiligung der jungen Damen von nur 21 % verzeichnen und bei unseren Berufsberatungen an Kasseler Schulen sowie den jetzt seit zwölf Jahren erfolgenden regelmäßig erfolgenden Spendenübergaben sieht dies sehr ähnlich aus. Wenn auch zu den in Vellmar Beteiligten aus der Sekundarstufe I im Mittel drei Schuljahrgänge als Abstand liegen, besteht ganz offensichtlich zumindest in Vellmar ein hohes Interesse an Naturwissenschaften und dies gilt es zu fördern und in Richtung Ingenieurberufe zu lenken. Aber das ist ja auch der Sinn unserer jährlichen Spenden, für die man sich seitens der Schulen nicht bewerben kann. Denn Entscheidungen treffen wir durch eingeholte Informationen.

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Die neue Influenzmaschine (mitte vorn) erzeugt bei ungefährlich kleinen Strömen (ca. 30 µA) sehr hohe Spannungen und in Kombination mit ihren "Leidener Flaschen" rechts und links als zwischenspeichernde Kondensatoren auch schmerzhaft hohe Ladungen: Also Finger weg!

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Für Versuche im Physikunterricht mit luftleeren Räumen wurde von uns als Ersatz für die vorhandene defekte eine neue Vakuumpumpe übergeben. Und der praktische Einsatz erfolgte sofort: Während eine leichte Vogelfeder und eine schwere Stahlkugel in Luftumgebung aufgrund ihrer unterschiedlichen Reibung auch deutlich unterschiedliche Geschwindigkeiten und somit Fallzeiten aufweisen, sieht dies im (annähernd) luftleeren Raum schon ganz anders aus: Die Fallzeit ist faktisch gleich lang und nach dem Gravitationsgesetz ausschließlich von der Erdbeschleunigung mit knapp 10 m/s2 abhängig.

Eine Influenzmaschine und ein Bandgenerator, welche Gleichspannungen bis zu 200.000 Volt bei ungefährlich kleinen Strömen, dennoch aber zumindest erschreckenden Überschlägen in den Benutzer, erzeugen können, sollen den Schülerinnen und Schülern die von naturwissenschaftlich interessierten Forschern bereits im 17. und 18. Jahrhundert beobachteten und beschriebenen Phänomene der Elektrostatik verdeutlichen. Beide Geräte wandeln mechanische Energie in elektrische Energie um, allerdings mit einem sehr geringen und für technische Anwendungen ungeeigneten Wirkungsgrad.

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Der Bandgenerator erzeugt wie die Influenzmaschine Spannungen bis 200.000 V (200 kV) mit maximal 10 Mikroampere (10 µA) allerdings noch geringeren Strömen als die Influenzmaschine. Dennoch sollten sich Menschen mit Herzschrittmacher von dem Gerät fernhalten.

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Die Influenzmaschine als die ältere Entwicklung der beiden übergebenen Geräte wurde erstmals 1762 beschrieben und von dem Erfinder James Wimshurst ab 1878 in der heute noch so gebauten Form vervollkommnet. Sie beruht als eine der Versuchseinrichtungen zur Elektrostatik nicht auf dem Reibungsprinzip wie beispielsweise bei Hartgummistäben oder Bernstein, sondern auf der Trennung elektrischer Ladungen durch die Kraftwirkung des elektrischen Feldes auf diese Ladungen. Eine Beschreibung hierzu können Sie sich oben rechts unter Downloads + Links herunter laden.

Der übergebene Bandgenerator hingegen ist eine Maschine aus dem Jahr 1929 und wurde von dem amerikanischen Physiker Robert Van de Graaff entwickelt. Sie beruht, mit dem Abrollen eines Bandes auf einer unteren Rolle, auf der Reibungselektrizität. Auch hier kann eine Beschreibung oben rechts herunter geladen werden. Vorgeführt und erläutert werden diese beiden Maschinen durch unsere Mitglieder auch im Kasseler Technik-Museum . Als persönliche Spende unserer Mitglieder bei VDE-internen Veranstaltungen wurden beide Geräte dem Museum zur Verfügung gestellt.

Für den Chemieunterricht wurden 34 Molekülbausätze in zwei unterschiedlichen Zusammensetzungen übergeben. Hiermit sollen Schülerinnen und Schüler den Aufbau einfacher und komplizierterer Anordnungen der Elemente in einem Molekül wie beispielsweise Kochsalz mit seinem Kristallgitter und anderer Stoffe wie Wasser (H2O, zwei Wasserstoffatome in Verbindung mit einem Sauerstoffatom), des elementar nur zweiatomig vorkommenden Moleküls Stickstoffs (N2) oder in dieser Altersklasse noch unzulässigen Ethylalkohol (C2H5OH) erkennen.

Der VDE Kassel übergibt seit 2003 jährlich eine Spende in vergleichbarer Größenordnung für den experimentellen naturwissenschaftlichen Unterricht an eine Schule in seinem Vereinsgebiet, welches von Lauterbach (Vogelsberg) in Mittelhessen bis Einbeck in Südniedersachsen reicht. So waren, hier nur beispielhaft aufgeführt, neben dem Goethe-Gymnasium und dem Wilhelmsgymnasium, beide in Kassel, auch schon Gymnasien wie die Alte Landesschule in Korbach, das Oberstufengymnasium in Eschwege, das Grotefend-Gymnasium in Hann/Münden und eine hart betroffene Schule in Schwalmstadt-Treysa hocherfreute Empfänger von immer selbst ausgesuchten Geräten für den Physik- wie auch den Chemieunterricht. Als beispielsweise vor drei Jahren der naturwissenschaftliche Trakt des Treysaer Schwalmgymnasiums in nur einer Stunde bis auf die Grundmauern abbrannte war der VDE Kassel der Erste, der mit dem Franck-Hertz-Experiment des Göttinger Lehrmittelherstellers PHYWE der Schule beistand. Mit unserer diesjährigen Spende hat nun eine weitere Schule des Landkreises Kassel neben der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule eine Spende erhalten.

Den Bericht der HNA vom 12.04.2014 in der Ausgabe Kassel-Nord können Sie sich mit freundlicher Genehmigung des Redakteurs Stefan Wewetzer und der Autorin C. Hartung ebenfalls unter Downloads + Links oder hier herunterladen.

Wolfgang Dünkel
Öffentlichkeitsarbeit

(last update 12.04.2014)